Studiogast: Frank Müller
Studiogast: Frank Müller
Geschäftsführer des Bundesverbandes eMobilität DW-TV: Wunsch und Wirklichkeit, darüber sprechen wir jetzt mit Frank Müller vom Bundesverband eMobilität. Herzlich willkommen, Herr Müller. Wir haben es gerade gehört, 1600 Autos sind es im Moment. In 10 Jahren sollen es 1 Millionen werden. Das Ziel scheint mir in weiter Ferne? Frank Müller: Ich glaube, das Ziel wird noch viel weiter nach oben gehen. Wir vom Bundesverband denken sogar, dass es 4,5 Millionen werden. Es wird ein Hype sein, es wird eine Bewegung sein, die, glaube ich, wie ein Tsunami passieren wird. Plötzlich fährt jeder ein Elektroauto. Bis dato sind noch keine Elektroautos produziert worden. Das heißt, man kann noch gar kein Elektroauto wirklich kaufen. Erst Ende dieses Jahres kommen die ersten in größerer Serie produzierten Elektroautos raus. DW-TV: Ja, eben! Man kann noch keine kaufen. Das ist ja das, was so Sorgen macht. Wie soll das denn passieren in den nächsten 10 Jahren? Frank Müller: Sie werden jetzt produziert, wir gehen jetzt in die ersten Serien rein, das sind Stückzahlen von 1.000 bis 10.000 in diesem Jahr, im nächsten Jahr werden das Stückzahlen bis 50.000 sein, und das Ganze wird immer weiter nach oben gefahren werden. Wir sehen jetzt schon, dass eine riesige Nachfrage besteht. Beim Peugeot EON zum Beispiel sind es schon 4000 Kunden, die das Ding vorbestellt haben, ohne dass sie das Fahrzeug gesehen haben. DW-TV: Ich fasse mal die Wünsche der potentiellen Kunden zusammen: zusammen, Herr Müller: nicht mehr als 15.000 Euro, mehr als 500 km Reichweite, viel PS und ein Privatparkplatz mit Steckdose. Gibt es irgendein Kriterium, das jetzt schon erfüllt ist? Frank Müller: Wenn man chinesische Fahrzeuge nehmen würde, könnte man jetzt schon für 15.000 Euro ein einfaches, kleines Elektroauto bekommen. Das ist in dieser Frühphase mit chinesischen Produkten möglich. Aber sicher werden wir in 5 bis 7 Jahren in dieser Preiskategorie sein, die Batterien werden günstiger. Die Fahrzeuge werden dann in großen Stückzahlen produziert werden, und dann haben wir ganz andere Preise als die, die wir im Augenblick sehen. DW-TV: Aber im Moment sind sie noch nicht wirklich massentauglich. Was muss denn passieren? Wie müsste man denn fördern, auch hier in Deutschland, damit wir da hin kommen? Frank Müller: Wir müssen ganz massiv Elektroautos fördern, ähnlich wie bei der Abwrackprämie. Durch die Förderung werden die Leute den Systemwandel mitmachen. Man müsste pro Fahrzeug eine Fördersumme von 5.000 bis 10.000 Euro haben. Dann ist das Fahrzeug schon relativ nah beim normalen Verbrennungsmotor-Fahrzeug. DW-TV: Nun entwickeln aber die deutschen Automobilhersteller eher an ihrem Diesel weiter und an Premium-Fahrzeugen und weniger an den Elektrofahrzeugen? Frank Müller: Ich glaube, wenn die Welle erstmal losgetreten ist, und das wird sicherlich 2011 losgehen, 2012 wird es noch stärker werden, werden die deutschen Automobilhersteller sehen, dass sie nachliefern müssen, weil die Leute immer mehr die Faszination für Elektroautos finden und sagen: wozu soll ich denn überhaupt noch ein Benzin-Auto kaufen? Der Markt für Benzin-Autos wird möglicherweise zusammenbrechen. DW-TV: Vielen Dank, Frank Müller vom Bundesverband eMobilität. Spätestens in 10 Jahren hören wir beide uns wieder! (Interview: Anja Heyde)
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